Hören ist das bewusstere Lesen
Im Laufe der Zeit haben die Menschen in der westlichen Welt das Gefühl dafür verloren, dass geschriebene und gedruckte Sprache immer nur eine Aufzeichnung der gesprochenen Sprache darstellt und insofern immer nur unvollständig sein kann. Früheren Schriftstellern war dies sehr wohl bewusst (s.o.).Ein Vergleich mit einer Partitur soll dies verdeutlichen: Die durch die Takte und Sätze geordneten Noten entsprechen den Sätzen, Absätzen oder Kapiteln in einem Buch. Erst durch die Instrumente eines Orchesters entsteht tatsächlich Musik. Nicht viel anders ist es mit einem Text, er wird auch erst durch die Interpretation eines Menschen zu einem Sprachkunstwerk. Gegenüber dem gedruckten Text bietet die Vertonung mehr als nur eine Sammlung von zu Text gewordenen Ideen. Hier kommt die menschliche Stimme hinzu, die schöpferisch die Worte interpretiert.
Eine bekannte Schriftstellerin sagte in diesem Zusammenhang etwas sehr Interessantes in einem Interview:
„In dem Moment, wenn geschriebene Worte ausgesprochen werden, geschieht etwas Seltsames: Es wird einem bewusst, was man eigentlich geschrieben hat. Man kann den Text plötzlich fühlen, mit seinen Höhepunkten, seinen Stärken, seinen Schwächen.“
Ein Text lebt erst dann, wenn er gelesen wird. Am besten natürlich ausdrucksstark, mit einer guten Stimme.
Um Ihnen unsere Vorstellung von gut (vor)gelesenen Texten zu verdeutlichen, haben wir unter Hörproben einige Beispiele vorbereitet, die Sie sich nach Anklicken der jeweiligen Buttons anhören können.
Toneform
Emmerich am Rhein
Nur ein Narr
